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03.10.2017 Alter: 205 days
Von: Gießener Anzeiger

Interkulturelle Arbeit

Kreativprojekt von Willy-Brandt-Schülern und jugendlichen Flüchtlingen.


Graffiti in der Tiefgarage der Willy-Brandt-Schule

 

"Vorurteile lassen sich nur durch einen Dialog abbauen", findet Istayfo Turgay, als ehrenamtlicher Kreisbeigeordneter zuständig für das Thema Integration. Und deshalb befanden sich in den vergangenen Wochen zwei Klassen der Fachoberschule Gestaltung und zwei Flüchtlingsklassen in besagtem Dialog - und konnten sich dabei auch noch kreativ austoben. Töpfern und Graffiti standen während des interkulturellen Kreativprojekts auf dem Plan, das zum zweiten Mal in diesem Schuljahr an der Willy-Brandt-Schule stattfand. Am Anfang seien "beide Seiten noch sehr unsicher gewesen und haben sich nicht so recht getraut, sich gegenseitig anzusprechen", hat der Graffitikünstler "Trik" festgestellt, der die Schüler in die Graffitikunst einweihte. Das habe sich jedoch schnell gelegt.

Bevor die Spraydosen im Parkhaus der Schule geschüttelt werden durften, mussten erst einmal Ideen gesammelt werden. "Die Schüler haben die Bilder selbst ausgearbeitet. Ein Ziel war es, dass sich jeder beteiligt und etwas Eigenes macht, aber trotzdem alle zusammenarbeiten", sagt "Trik". Die entstandenen zehn Graffiti drehen sich um das interkulturelle Miteinander. Eine Gruppe hat sich für das Wort "Frieden" entschieden, das nun groß die Parkhauswand ziert. Drumherum flattern mehrere Friedenstauben, von denen jede einen Zettel im Schnabel hält, auf dem "Frieden" in verschiedenen Sprachen zu lesen ist.

Eine andere Gruppe hat sich selbst dargestellt und dazu das arabische Wort für "Individualität" an die Wand gesprüht. Ein weiteres Werk zeigt den kunterbunten Schriftzug "One World", umrahmt von Friedenstauben und einem Friedenszeichen. "Wir wollten zeigen, dass wir zwar alle aus verschiedenen Ländern kommen, aber auch zusammengehören", erklärt Sham Brhane das Motiv seiner Gruppe.

"Die Sprache steht hier nicht im Vordergrund, sondern das gemeinsame Tun", erläutert Wennemar Rustige, Lehrer an der Willy-Brandt-Schule. Gemeinsam mit seiner Kollegin Simone Löffler hat er das Projekt initiiert und begleitet. Die aktuelle Runde wurde vom Landkreis finanziert. Dass sich auch in Zukunft Unterstützer für das Projekt finden, darauf hofft Rustige. Denn "das ist Integration, wie ich sie mir vorstelle".

Während die Hälfte der Gruppe das Parkhaus verschönerte, arbeitete die andere unter der Leitung von Berthold Zavazki an Plastiken aus Keramik. Eine Gruppe formte ein Haus, wie es typisch sei in Afrika - allerdings mit einem offenem Dach, damit viel Licht und Wärme hineinkomme. Auch ein "Baum der Freundschaft" ist entstanden, der sich aus vielen verschiedenen Gesichtern zusammensetzt.

Der Kontakt zwischen Oberschülern und Integrationsklassen blieb jedoch nicht auf das Kreativprojekt beschränkt. Auch im gemeinsamen Englischunterricht fand ein Austausch statt. Die Integrationsschüler berichteten unter anderem von ihren Heimatländern und ihrem Weg nach Deutschland. "Manche erzählten davon, wie sie in einem Boot gesessen haben und 90 Prozent der Leute um sie herum auf der Flucht gestorben sind", erinnert sich Lehrer Rustige. "Das ist die Realität, dass Menschen hierher kommen, die so schreckliche Schicksale erlebt haben."

Gießener Anzeiger vom 03.10.2017 [online lesen]


Willy-Brandt-Schule - Carl-Franz Straße 14 - 35392 Gießen - Tel. 0641.2646